Urban Future Talk - Der Podcast

Bernhard Müller
Since 11/2022 27 Episoden
Urban Future Talks ist der Podcast des Urban Forum – Egon Matzner-Institut für Stadtforschung. In jeder Folge führen Bernhard Müller oder andere Vertreter:innen des Urban Forum tiefgehende Gespräche mit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Gemeinsam beleuchten sie aktuelle Herausforderungen und Chancen für Städte im Wandel: von sozialer Gerechtigkeit über Mobilität, Baukultur und Urbanisierung bis hin zu Klimapolitik und demokratischer Teilhabe.


Die Gespräche bieten fundierte Analysen, kritische Perspektiven und konkrete Impulse für eine lebenswerte urbane Zukunft. Ein Podcast für alle, die Stadt nicht nur erleben, sondern mitgestalten wollen.

Unterstützt von der Wiener Bildungsakademie.


UFT 27: Renate Brauner & Eva Kail – Frauengerechte Stadt, Gender Planning und lebenswerte Städte ⭐

Brauner und Kail sprechen über „Frauengerechte Stadt“, Gender Planning und die Entwicklung der Stadtplanung in Wien.

30.07.2026 27 min

Im Gespräch geht es um das Handbuch „Frauengerechte Stadt“ und die Frage, warum es notwendig ist. Renate Brauner betont, dass in Wien vieles im Bereich frauen- und alltagsgerechter Stadtentwicklung erreicht wurde, diese Fortschritte aber nicht als selbstverständlich gelten dürften. Was selbstverständlich geworden sei, könne auch wieder zurückgenommen werden. Das Handbuch solle deshalb Erreichtes sichtbar machen und Bewusstsein schaffen.

Eva Kail erklärt, dass sie die Zusammenarbeit mitgetragen habe, weil gute fachliche Ideen ohne politische Unterstützung nicht umgesetzt würden. Sie beschreibt die Aufgabe auch als Übersetzung von Expertinnensprache in Alltagssprache, damit das Thema von der kommunalen Politik getragen werde. Beide ordnen das Vorhaben als längerfristigen politischen und fachlichen Prozess ein.

Rückblickend auf die 1980er- und 1990er-Jahre schildert Brauner, dass die Ideen nicht nur auf Zustimmung stießen. Frauen- und Genderfragen in Stadtplanung und Verwaltung wurden teils skeptisch gesehen, und auch Expertinnen seien mit Vorbehalten konfrontiert worden. Trotzdem habe die Zusammenarbeit zwischen Fachleuten und Politik dazu beigetragen, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen.
Kail beschreibt Gender Planning als gerechte Verteilung städtischer Ressourcen wie Flächen oder Ampelzeiten. Es gehe darum, unterschiedliche Bedürfnisse wahrzunehmen und bewusst zu entscheiden, wer bevorzugt oder benachteiligt werde. Als frühe Beispiele nennt sie Wien, aber auch andere Städte wie München, Barcelona, Paris, Schweden sowie Orte in Indien, Lateinamerika und Afrika.

Als wichtige Erfolge nennen beide Modellprojekte und Leitfäden, etwa zur Gestaltung von Parks, Spielplätzen, Wohnbau und öffentlicher Beleuchtung. Brauner hebt die „Frauenwerkstatt“ und die Aktion „Frauen planen ihre Stadt“ hervor. Kail sieht die größte aktuelle Herausforderung in der Klimakrise, die Frauen und einkommensschwache Gruppen besonders betreffe. Das Handbuch sei online beim Urban Forum abrufbar oder dort bestellbar.